
„Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue, es lebe die deutsche Republik!“ Im Sinne des Jubelrufs den der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann am 9. November 1918 vom Balkon des Berliner Reichstages ausstieß, war es eher nicht, als Matthias Platzeck, ehemaliger SPD-Ministerpräsident Brandenburgs, kürzlich seinen Einzug in den Stiftungsrat der Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz bekanntgab.
Er zieht nämlich nicht als einer von sechs öffentlichen Vertretern in die Stiftung, die nach endlosem Streit mit der öffentlichen Hand die Kunstschätze des gestürzten Kaiserhauses verwalten soll, sondern als Vertreter des Hauses Hohenzollern – auf ausdrücklichen Wunsch von Georg Friedrich Prinz von Preußen.
Dass ausgerechnet ein Sozialdemokrat den Stützbalken für das Goodwill-Instrument einer dubiosen Monarchie spielen will, irritiert zwar. Eine neue, besorgniserregende „Präsenz des Monarchischen“, nach der am Wochenende in Potsdam die Tagung „Pro Gloria et Patria“ des dortigen Brandenburg Museums fragte, lässt sich daraus aber nicht ableiten. Trotz dem Bau des „Berliner Disney-Schlosses“, wie es der Historiker Magnus Brechtken ironisch geißelte, dem Wiederaufbau der nazistisch kontaminierten Potsdamer Garnisonkirche, die dem Architekturwissenschaftler Philip Oswalt ein Dorn im Auge ist, trotz der im März bevorstehenden Wiedereröffnung der restaurierten Hohenzollerngruft im Berliner Dom schwappt derzeit keine royale Welle über die Republik, die der „Preußen-Welle“ im Gefolge der Berliner Ausstellung „Preußen – eine Bilanz“ 1981 gliche.
Auch wenn die Geschichtswissenschaft nach Meinung Brechtkens der „Verklärung“ Preußens Vorschub geleistet habe, weil sie dem Historiker Christopher Clark nicht energisch genug entgegengetreten sei, der mit seinem Buch „Die Schlafwandler“ 2012 die Schuld des Deutschen Reiches am 1. Weltkrieg zu relativieren versucht hatte.
Ein politisch-kulturelles Massenphänomen ist die Monarchie nicht. Auch wenn die AfD die Preußenkönige gerade als „Kulturrevolutionäre“ entdeckt und seit 2020 ein „Preußenfest“ feiert. Die Spuren einer gescheiterten Monarchie sind womöglich mehr in der schleichenden Renaissance „Preußischer Tugenden“ zu finden. Zu denen zählt der Historiker Tillmann Bendikowski die „Alles-oder-Nichts“-Haltung, mit der Friedrich II. seine ruchlosen Schlesischen Kriege gewann, der Glaube an „die günstige Gelegenheit“ zum Überfall und der an den autoritären Staat.
Für die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger, Rektorin des Berliner Wissenschaftskollegs, sind es der „Geist toxischer Männlichkeit, Misogynie und Anticourtoisie“. Und für die kalifornischen Tech-Milliardäre sollten am besten CEO-Monarchen die Welt regieren. All das sind aber keine preußischen Spezialitäten mehr, sondern inzwischen globales Gemeingut. So wie Donald Trump in seinem explosiven Narzissmus auf dem Besitz Grönlands beharrt, erinnert er fatal an den „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I., den brutalen Vater des Schlesien-Räubers Friedrich II. Mit Blick auf sein sandiges Königreich befand der royale Wüterich und Promoter des Soldatenzopfes: „Alles ist meins“.
