Von Athen lernen oder Kassel demontieren?

20170406_185505„Documenta is the Botox of Capitalism“. Die Umhängetasche mit diesem Spruch, mit der ein Biennalen-Aktivist über die Documenta 14 in Athen flanierte, war natürlich eine populistische Provokation. Ganz abwegig ist der Spruch nicht.

Viele der derzeit fast 200 Biennalen in aller Welt verdanken sich politischen Instrumentalisierungen. Sie dienen dem „nation building“ oder lokalem Stadtmarketing. Und auch diese Schau ließe sich als Geste kultureller Wiedergutmachung für die Austeritäts-Politik Angela Merkels und Wolfgang Schäubles lesen. Stammt doch der überwiegende Teil des Geldes, das die Documenta in Hellas ausgeben konnte, vom deutschen Steuerzahler. „Von Athen lernen oder Kassel demontieren?“ weiterlesen

Jenseits des binären Codes

main Ein weißer Quader, wie aus dem Bilderbuch des architektonischen Minimalismus. Darinnen ein Labyrinth verschachtelter Räume, das Ganze aufgestellt in einem öffentlichen Park. „Cruising Pavillon“ nannte das Künstlerpaar Elmgreen & Dragset 1998 seine Installation in Aarhus. Mit ihr visualisierte es das Paradox, dass die schwule Subkultur ihre intimen Räume oft genug dadurch gewinnt, dass sie „straighte“ Kontexte umfunktioniert. „Jenseits des binären Codes“ weiterlesen

Occupy Museum

vaglogo „Museum Kunstpalast on the brink of an desaster“. Those were the headlines in the spring of last year. The museum, rich in tradition, in the capital of german state northrine-westfalia had to announce its temporary shutdown as an arts museum. The reason: the sponsor for many years, EON, one of the largest energy-companies ended ist cultural engagement for the house. Until the end of 2017, which means this year, the trust wants to withdraw from ist financing of the museum kunstpalast – „amongst other things“- as it was announced in the notification somewhat bashful, because of the move of the companys headquarter to Essen. „Occupy Museum“ weiterlesen

Kultur gegen rechts?

2013_6_14_1_41_51_11373_781Was tun gegen rechts? Über kaum eine Frage streitet der Kulturbetrieb derzeit leidenschaftlicher. Reicht es noch, so das stete Memento, Ausstellungen zu eröffnen, Festivals zu besuchen oder neue Paul-Auster-Romane zu lesen, wenn gerade Demokratie, Europa und Menschenrechte geschleift werden?

Der Fotokünstler Wolfgang Tillmans beschwor dieser Tage pathetisch den „Kairos-Moment“: Historische Aufgabe der Stunde sei es, so der sonst eher zurückhaltende Liebhaber des subkulturellen Faltenwurfs, die libertäre gegen die autoritäre Gesellschaftsordnung zu verteidigen. Muss die Kultur also jetzt Aufstehen gegen rechts? „Kultur gegen rechts?“ weiterlesen

Drink of the day: Mexicano

cocktail_mexicano-12 parts tequila, 1 tsp grenadine, ½ parts lemon juice, 1 part pineapple juice. ice cubes. fill up the shaker with ice, pour pineapple, juicelemon, juicegrenadinetequila into the shaker, shake well, strain into the cocktail glass. Raise your glass, pay a tribute to the (hard working) mexican people. Donald J. Trump will pay for it (reimbursement).

Ein guter Nachbar

f234b443598f4725368bf86ba75183b5_db3f023a84b04709f71fdd98af0326212000x1328_quality99_o_1a39374ie7fkc0it7d1rcvcogaEinen guten Nachbarn? Hätte vermutlich jeder gern. Jemand, der deine Post im Urlaub sammelt oder schnell mal als Babysitter einspringt. Auch gegen eine alte Dame hätten wir nichts, die uns zum fünfzigsten Mal die Geschichte ihrer Enkel erzählt. Ein Mann freilich, der seine Tür mit der Waffe in der Hand öffnet, sollte es möglichst nicht sein.

Schwer zu sagen, was einen guten Nachbarn wirklich ausmacht: Er soll hilfsbereit sein, aber doch zurückhaltend, intim, aber diskret, vertraut und fremd. Jedenfalls hat jeder welche. Nachbarn stehen für das Netzwerk unseres Lebens, verkörpern die Frage: Wie gehen wir miteinander um? „Ein guter Nachbar“ weiterlesen

Eine für alle?

abmb15_public_general_impresssions_3177_copyZombie-Abstraktion und tumbe Malerei. Christian Viveros-Fauné, der Kritiker des Online-Magazins „artnet“, war entsetzt. Beim Gang über die, jedes Jahr Anfang Dezember öffnende Art Basel Miami Beach, entdeckte er vor ein paar Jahren nur Kunst, die „schön, glitzernd und substanzlos bis zum Punkt“ war. „Leicht wie Luft“ müssten die Arbeiten sein, die den Mega-Reichen gefallen, die sich dort regelmäßig tummeln. Ihre kritische Kraft habe die dort angebotene Kunst in den „Mülleimer der Geschichte“ befördert, so grell und effekthascherisch wie sie sich dort gebe. „Eine für alle?“ weiterlesen

Der Unbesiegbare

pic_d9eebbb1a88eac8d9914ea690d8fca6aHand aufs Herz: Eine klammheimliche Freude dürfte nicht wenige beschlichen haben, als sie die Nachricht vom angeblichen Putsch in der Türkei auf ihren Smartfons vorfanden. Die Vorstellung, dass der stolze Diktator vom Bosporus, aus einem Fotoautomaten zum Volkssturm in Istanbul aufrufen muss. Der Gedanke, dass das autoritäre Großmaul in Berlin oder Teheran um Asyl bettelt, wie es die Gerüchte wissen wollten – diese Bilder hatten etwas Erheiterndes. Der rituelle Stoßseufzer vieler Freunde in der Türkei: „Kann der nicht einfach mal tot umfallen, einfach weg sein?“ schien sich zu erfüllen. „Der Unbesiegbare“ weiterlesen

Liebe, Sex und Tod. Über den Kurator Frank Wagner (1958-2016)

csm_530c901ae1944_36ba7bd1daIn einem ihrer berühmten Projekte hat die neue Gesellschaft für Bildende Kunst – nGbK – vor ein paar Jahren eine Arbeits-Gruppe namens „Wissensspeicher“ eingerichtet. Normalerweise würde man „Archiv“ zu so etwas sagen. Aber mit der wenig attraktiven Vokabel assoziiert man so langweilige Sachen wie das Sammeln und Ablegen von Informationen. Wissensspeicher klingt lebendiger. Mit dem Wort Wissensspeicher sollte angezeigt, dass es nicht nur um das Horten verstaubter Geschichtsdaten ging, sondern um lebendiges Wissen, darum, ein Potential für die Zukunft zu erschließen. „Liebe, Sex und Tod. Über den Kurator Frank Wagner (1958-2016)“ weiterlesen

ESC : Die politische Kraft des ästhetischen Moments

urn-newsml-dpa-com-20090101-160515-90-000460_201605150919_full„Ist dieses Europa-Singen jetzt endlich rum?“. Mit diesem genervten Post mokierte sich vergangenes Wochenende der SPD-Europaabgeordnete Jens Geier auf seinem Facebook-Account über das Ende des European Song Contest (ESC). Nun sind persönliche Geschmackspräferenzen das eine. Niemand kann Jens Geier zwingen, das was man früher etwas abschätzig „Schlager“ nannte, zu mögen. Es gibt jede Menge illustre ESC-Verächter. Der Essener Abgeordnete sitzt auch nicht wegen Kunst und Kultur im Europäischen Parlament, sondern wegen so wichtiger Fragen wie dem europäischen Haushalt, wegen der Industrie- und Energiepolitik. „ESC : Die politische Kraft des ästhetischen Moments“ weiterlesen